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DFG-Sonderforschungsbereich in:just gestartet

65 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind zur Kick-off-Veranstaltung des SFB in:just auf den Campus Westend gekommen. Gemeinsam wollen sie erforschen, wie das deutsche Bildungs- und Erziehungswesen gerechter werden kann.

Mit einem Kick-off-Meeting auf dem Campus Westend hat der neue Sonderforschungsbereich 1750 mit dem Namen in:just die Arbeit aufgenommen. Der erste Sonderforschungsbereich im Bereich der Erziehungswissenschaften, den die DFG je bewilligt hat, befasst sich mit Gerechtigkeit und Teilhabe im deutschen Bildungs- und Erziehungswesen – genauer mit den Themen Inklusion, Anerkennung und Gerechtigkeit und mit der Frage, warum es immer noch zu Benachteiligungen kommt – obwohl doch die Möglichkeiten der Beteiligung seit 50 Jahren deutlich zugenommen haben. Sprecherinnen des SFB sind die Erziehungswissenschaftlerinnen Prof. Merle Hummrich und Prof. Vera Moser (beide Goethe-Universität).

65 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen erstmals in so großer Runde zur dreitägigen Kick-off-Veranstaltung im PA-Gebäude, um sich gegenseitig kennenzulernen und gemeinsam die Vorgehensweise für die nächsten fast vier Jahren zu erarbeiten. Insgesamt besteht der SFB aus 35 Projektleitern („personal investigators“) und 36 Doktorandinnen und Doktoranden bzw. Postdocs. Beim Kick-off dabei waren auch die ersten drei Mercator Fellows des SFBs, Prof. Wivian Weller (University of Brasilia), Prof. David P. Baker (Penn State University) und Prof. Friederike Heinzel (Universität Kassel), die die einzelnen Projekte kontinuierlich und kritisch mit ihrer Expertise begleiten werden und beim Kick-off erste theoretische Impulse gaben.

Prof. Bernhard Brüne, Vizepräsident der Goethe-Universität mit dem Schwerpunkt Forschung, hob in seiner Begrüßung die Bedeutung des SFB für die Disziplin der Erziehungswissenschaften und deren Bedeutung insgesamt hervor – aber auch für die Forschungsexzellenz der Goethe-Universität. Im Anschluss begrüßten die beiden SFB-Sprecherinnen mit kurzen Impulsvorträgen. Vera Moser, Professorin für Inklusionsforschung, sprach über das „Inklusionsparadox aus der Perspektive der Bildungsgerechtigkeit“: Während die Anzahl von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf kontinuierlich ansteigt, gibt es in der Bundesrepublik Deutschland keinen flächendeckenden Ausbau der inklusiven Beschulung, wie es die UN-Behindertenrechtskonvention eigentlich verlangen würde. Merle Hummrich, ebenfalls Sprecherin des SFB, erläuterte „Teilhabe und Teilnahme in der Krise der demokratischen Bildungsordnungen“. In beiden Vorträgen wurde die Ungleichzeitigkeit von formalen Teilhabeprozessen und subjektivem Teilnahmeerleben als Ausgangspunkt der Analysen im SFB 1750 herausgestellt.

Der Sonderforschungsbereich ist in drei Research Areas (RA) gegliedert, in denen es um „Normen und Regeln“ und die Legitimitätskrise (RA.A), um „Organisationen und Praktiken“ und die Integrationskrise (RA.B) bzw. um „Subjektive Erfahrungen“ und die Sinnkrise (RA.C) geht. Die insgesamt 18 Teilprojekte sind diesen Research Areas zugeordnet. Der überwiegende Teil der Projekte ist an der Goethe-Universität verortet, weitere Projekte sind an insgesamt acht deutschen und internationalen Universitäten angesiedelt.

Eines der Teilprojekte in der Research Area A (Normen und Regeln) befasst sich beispielsweise vergleichend mit den Lehrplänen von DDR und Bundesrepublik in der Zeit von 1945-1990 – eine wichtige historische Perspektive zu Fragen von bildungspolitischen Positionierung der Thematik „Bildungsgerechtigkeit“. Ein weiteres Teilprojekt in RA.A widmet sich der rechtswissenschaftlichen Klärung der Vorhaltung von Mindeststandards schulischer Bildung mit Bezug zur UN-Behindertenrechtskonvention. In RA.B (Organisationen und Praktiken) wird u.a. untersucht, welche Rolle Elternorganisationen im Rahmen schulischer Bildung einnehmen. Ein weiteres Teilprojekt blickt auf die Auswirkungen der Gentrifizierung auf die lokale Qualität der Bildungsgerechtigkeit. In RA.C (Subjektive Erfahrungen) geht es zum Beispiel um Ungerechtigkeitserfahrungen und Gerechtigkeitsbiografien oder auch um seelische Gewalt in pädagogischen Beziehungen.

Drei Tage wurde im Foyer des PA-Gebäudes über die Projekte im SFB diskutiert.

SFB 1750 / Goethe-Universität

Beim Kick-off hat sich außerdem die „in:just:graduateschool“ konstituiert, die ein strukturiertes Förderprogramm für Doktorandinnen und Doktoranden sowie Postdocs vorhält. Die Graduiertenschule soll theoretische Grundlagen des SFBs vertiefen, methodische Kenntnisse vermitteln sowie die individuelle Qualifizierung im Bereich von Schlüsselkompetenzen und der Karriereentwicklung unterstützen. Zudem trägt sie dazu bei, die Nachwuchsforschenden miteinander zu vernetzen. Auch das für die Steuerung zuständige Governing Board wurde gewählt, das aus den beiden Sprecherinnen Merle Hummrich und Vera Moser sowie den Sprecherinnen und Sprechern der Research Areas (Prof. Juliane Engel/Prof. Christoph Burchard, Prof. Claudia Machold/Prof. Wolfgang Meseth und Prof. Andreas Walther/Prof. Mirja Silkenbeumer), sechs Early Career Reserchers (ECRs) (Sophie Abend, Felix Känder, Dr. Eva Gromméund ihre Stellvertretungen Anastasia Bobrova, Dr. Alexandra Damm, Dr. Lena Merkle) sowie drei beratenden Mitgliedern (Dr. Corina Färber, Dr. Johannes Ludwig, Professor Hendrik Drachsler/Dr. Lukas Menzel-Wuttig) besteht. Die Grundzüge der künftigen Geschäftsordnung wurden diskutiert, beschlossen werden soll sie im Herbst – bei der ersten großen internationalen Konferenz des SFB 1750 am 23. und 24. Oktober an der Goethe-Universität.

SFB 1750 / Goethe-Universität

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