Der Schriftsteller Joshua Groß übernimmt die Poetikdozentur an der Goethe-Universität / erste Vorlesung am 9. Juni 2026, Campus Westend
FRANKFURT. Der Titel der diesjährigen Poetikvorlesung verspricht ein Nachdenken über die Rolle von Autorschaft, Figurenkonstellationen und digitaler Gegenwart: Wer „neben sich selbst hergeht“ erlebt eine Verschiebung der Perspektive, tritt aus gewohnten Ordnungen heraus und erkundet ein (literarisches) Selbst. Das Motiv des Avatars erinnert an digitale Welten sowie Masken und Projektionen und fiktionalisierte Versionen von Subjekten, die in der literarischen Tradition schon vielfach zur Debatte standen. Joshua Groß‘ Texte erforschen und hinterfragen, wie literarisches Denken solche Verdopplungen, Verwandlungen und Versetzungen verändert und wie sich aus ihnen eine eigene Form des Erzählens entwickeln kann.
Joshua Groß zählt zu den eigenständigsten Stimmen in der jüngeren deutschsprachigen Gegenwartsliteratur: Er verschränkt Gegenwartsbeobachtung und philosophische Reflexion mit popkulturellen Motiven, wodurch Erzählräume entstehen, in denen das Verhältnis zwischen Realität und Fiktion ins Wanken gerät und Gegenwart als gemeinsam geteilter Erfahrungsraum herausgefordert wird. In den Poetikvorlesungen wird er Einblicke in seine Schreibpraxis geben: Welche Rolle spielen Figuren als Denkmodelle? Wie entstehen seine literarischen Welten? Und was vermag Literatur angesichts einer sich rasant wandelnden Wirklichkeit?
Sein bisheriges Schaffen bewegt sich zwischen Roman, Essay, experimenteller Prosa, kollaborativen Publikationsformen und künstlerischen Projekten. Seit den frühen Büchern Der Trost von Telefonzellen und Magische Rosinen, die in Zusammenarbeit mit dem Fotografen Philippe Gerlach entstanden, arbeitet Joshua Groß an literarischen Formen, in denen Text, Bild, Pop, Theorie und Gegenwartsdiagnose ineinandergreifen. Auf Veröffentlichungen wie Faunenschnitt, Flauschkontraste oder Flexen in Miami folgten zuletzt bei Matthes & Seitz Berlin die Prosasammlung Entkommen sowie die Romane Prana Extrem und Plasmatropfen, in denen Groß seine Poetik weiter entfaltet: eine Literatur der Wahrnehmungsverschiebungen und der fragilen Übergänge zwischen Körper, Technik, Welt und Imagination. Dass Philippe Gerlach nun auch Teil der Begleitausstellung Die Horizonte der Shapeshifter ist, knüpft an diese langjährige künstlerische Zusammenarbeit an und erweitert den Dialog zwischen Literatur und Bildender Kunst um eine biografisch wie ästhetisch gewachsene Verbindung.

Joshua Groß, Frankfurter Poetikdozent 2026

Joshua Groß, Frankfurter Poetikdozent 2026
Laura Schöning
Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de