Forschungsschwerpunkte
• Positionalität im Religionsunterricht
• Inklusion & Diversity
• Konfessionell kooperativer Religionsunterricht
• Interkulturelle Kompetenz und Werteforschung
• Religionspädagogische Analyse in Pastoral und Seelsorge
• Positionalität im Religionsunterricht
• Inklusion & Diversity
• Konfessionell kooperativer Religionsunterricht
• Interkulturelle Kompetenz und Werteforschung
• Religionspädagogische Analyse in Pastoral und Seelsorge
Positionalität im Kontext religiöser Bildung
Der Ruf, Position zu beziehen erreicht uns gegenwärtig auf allen Ebenen. Besonders laut hallt er in politischen Kontexten. Sich zu positionieren und Haltung zu zeigen, für oder gegen ein Anliegen, eine Bewegung oder eine Institution gilt als bürgerliche Verantwortung. Gerade in einer von Krisen geprägten Zeit dienen politische Positionierungen dazu, Handlungsdruck auszuüben – sei es in der Flüchtlingspolitik, dem Klimaschutz oder der Verteidigungspolitik.
Politische wie gesellschaftliche Positionen scheinen gegenwärtig weiter auseinanderzuliegen denn je. Mit der immer weiter auseinander klaffenden Schere zwischen arm und reich scheint auch die Kluft zwischen den Positionen immer größer zu werden.
Was bedeutet das für den Religionsunterricht?
Positionalität war bezogen auf den Religionsunterricht lange Zeit auf das Thema Religion begrenzt. Positionalität galt v.a. als eine Frage der Perspektivität und Konfessionalität. Die Religionslehrkraft sollte im Auftrag der Kirche als Zeugin für den Glauben auftreten und diese Positionalität transparent machen. Doch so eindeutig eng gefasst ist der Positionalitätsbegriff auch in religiösen Bildungskontexten längst nicht mehr. Längst hat er sich zu einer Art Containerbegriff entwickelt für verschiedene Prozesse, in denen es darum geht Stellung zu beziehen. Interreligiöser Dialog spielt dabei ebenso eine Rolle wie konfessionelle Kooperation, politische Bildung, BNE oder Ethische Bildung.
Im Rahmen meiner Forschung setze ich mich genau mit diesen Fragestellungen rund um die verschiedenen gesellschaftlichen Spannungsfelder auseinander. Entstanden sind zu diesem Themengebiet inzwischen verschiedene Publikationen und Fachvorträge sowie meine Beteiligung am „Koblenzer Konsent“ als ökumenisches Positionspapier zu Positionierungsprozessen im Religionsunterricht. Im Rahmen der Bonner Tagung „Positionalität in Religion, Politik und Gesellschaft“, die ich gemeinsam mit den Kolleg*innen Teschmer (Bonn), Heger (Würzburg) und Wiesinger (Darmstadt) veranstaltet habe, erfolgte ein interdisziplinärer Diskurs zur Thematik. Der gleichnamige Tagungsband ist im Entstehen und erscheint 2027 bei Kohlhammer.
Othering und diversity
Der Begriff des „Otherings“ prägt seither die religionspädagogischen Diskurse zum interreligiösen Lernen. Es steht die Frage im Raum, wie religiöse Lernprozesse pluralitäts- und religionssensibel gestaltet werden können, ohne hegemoniale Strukturen und Diskurse zu reproduzieren.
Mecheril und Thomas-Olalde definieren Othering aus einer rassismuskritischen Perspektive „als Praxis der Identifikation und Objektivierung von und durch Herrschaft […]. Identifikation und Objektivierung sind hierbei relationale Operationen, die Andere hervorbringen und damit die positionelle Superiorität […] der Nicht-Anderen ratifiziert. Identifikations- und Objektivierungspraktiken sind Sprachformen, die aus Subjekten „Exemplare“ machen.“ (Mecheril/Thomas-Olalde: In: RpB 47(2024)2, 5−15, S.12). Dieses Verständnis von Othering steht in Kontinuität zu postkolonialen Theorien wie Said und Spivak sowie der Subjekt- und Diskurstheorie von Foucault. Othering-Prozesse sehen sie demnach in einem Zwei-Gruppen-Denken begründet, das die Gruppe der „Anderen“ konstruiert, um ein kollektives, idealisiertes Selbstbild dem marginalisierten Antagonisten entgegenzusetzen und dadurch Herrschaftsansprüche und Machtverhältnisse zu legitimieren.
Im Rahmen meiner Forschung setze ich mich mit verschiedenen Bildungs-Konstellation auseinander, in denen das Zwei-Gruppen-Denken eine Rolle spielt wie z.B. interreligiöse Lernprozesse oder Gemeinsames Lernen von Schüler*innen mit und ohne Behinderung. Mit Hilfe des Inklusionsbezogenen Trilemma-Begriffs nach Mai-Anh Boger erörtere ich Spannungsfelder und Handlungsspielräume, die für religiöse Bildungsprozesse bedeutsam sind.
Angedacht ist perspektivisch auch eine Reflexion pastoraler Praxis, insbesondere mit Blick auf Queerness als Differenzkategorie.
KoKoRU 2.0
Der gegenwärtige Religionsunterricht findet nicht mehr in konfessionell homogenen Lerngruppen statt. Anerkannt sind verschiedene Formen der konfessionellen Kooperation zwischen dem evangelischen und katholischen Religionsunterricht. In diesem Zusammenhang stellt die konfessionelle Kooperation einen terminus technicus dar, der darauf aufmerksam macht, dass auf der Grundlage der offiziellen Kooperationsvereinbarungen zwischen der ev. und kath. Kirche konfessionell gemischte Lerngruppen gebildet werden sollen, die von Religionslehrer*innen der einen oder anderen Konfession unterrichtet werden. Im Fokus steht dabei sowohl die konfessionelle Identitätsbildung als auch eine reflektierte religiöse Sprach- und Pluralitätsfähigkeit der Schüler*innen.
Das Projekt wurde bereits in verschiedenen Vorträgen vorgestellt, u.a. auf dem internationalen Kongress „Praxis für die Zukunft“ 2021 in Innsbruck. Die entsprechende Publikation hierzu ist im gleichnamigen Tagungsband erschienen. In 2021 finden weitere Vorträge und Workshops rund um dieses Thema statt.
reli goes future
Fridays for future, #dieletztegeneration, Proteste im Hambacher Forst, die Flutkatastrophe im Ahrtal – der Klimawandel und die Debatten um Klimaschutz sind präsent wie nie zuvor. Die Bildung für nachhaltige Entwicklung zählt zu den drängendsten Bildungsaufgaben unserer Zeit. Während die Schulen Themen rund um BNE und Klimaschutz längst aufgegriffen haben, besteht an den Universitäten in der Lehrer*innenbildung noch Entwicklungspotential. Hier knüpfte dieses Lehrprojekt an.
An der gemeinsamen Lehrveranstaltung der Universitäten Frankfurt und Mainz haben 11 Studierende der Universität Frankfurt und 10 Studierende der Universität Mainz teilgenommen. Das Seminar bestand aus drei digitalen Sitzungen, 2 Exkursionen in den Städten Frankfurt und Mainz sowie einer 2-tägigen Blockveranstaltung im Wilhelm-Kempf-Haus in Wiesbaden.
In einer ersten digitalen Sitzung zu Beginn des Semesters erfolgte eine inhaltliche Einführung in das Thema Nachhaltigkeit aus religionspädagogischer Perspektive durch Herrn Schimmel. In der zweiten digitalen Sitzung erfolgte ein mediendidaktischer Impulsvortrag durch den Medienpädagogen Christian Gottas vom PZ des Bistums Limburg, um den Studierenden Anregungen für ihre eigene Projektarbeit zu geben. Die Exkursionen zur Klimawerkstatt Frankfurt und zu den WeltfairÄNDERERN in Mainz konnten den Studierenden Einblicke in die Praxis der Bildungsarbeit zum Thema Nachhaltigkeit vermitteln und ebenfalls als Anregungen für die eigene Projektarbeit dienen. Der Blocktag wurde gemeinsam von Dr. Alexander Schimmel (Experte rBNE), Christian Gottas (Medienpädagoge PZ) und Prof.'in Dr. Britta Baumert (Religionspädagogin) vorbereitet und gestaltet. Die Studierenden erhielten zunächst Gelegenheit, selbst ein ActionBound auszuprobieren und im Nachgang zu reflektieren, da einige angekündigt hatten, mit dieser Methode zu arbeiten. Es folgte eine kurze Gruppenphase zur Planung der Erarbeitung der eigenen Materialien am nächsten Tag sowie ein weiterer Input zum Thema rBNE und die Möglichkeit, bestehende Unterrichtsmaterialien (Spiele, Interaktive Arbeitsblätter, Mystery, Kurz-Film mit Begleitmaterial) auszuprobieren.
Die Gruppen organisierten ihr Arbeiten selbstständig, wurden jedoch durch mehrere Zwischenberichte und Feedbackphasen durch die Seminarleitung strukturiert. Die anschließende Fertigstellung der Materialien erfolgte im Nachgang zu den Blocktagen im Selbststudium. Im Rahmen eines abschließenden digitalen Termins wurden die fertigen Produkte vorgestellt. Die Einreichung der Materialien und der Reflexion der Materialien bildete das Prüfungsportfolio. Im Rahmen der Portfolios wurde der eigene Lernerfolg als hoch eingestuft und die erstellten Produkte bestätitgen die Selbsteinschätzung.
Projektleitung der Werkstatt Inklusion
Das Teilprojekt "Werkstatt Inklusion" ist eine Forschungswerkstatt, die sich dem Themenfeld Heterogenität und Inklusion beim (fachlichen) Lernen widmet. In der Werkstatt arbeiten Wissenschaftler*innen, Promovierende und Studierende fachübergreifend und in Kooperation mit regionalen Vertreter*innen aus Schulen und Fördereinrichtungen zusammen. Ziel der Werkstattarbeit ist die Erforschung, Entwicklung und Dokumentation von Lernumgebungen und didaktischen Konzepten für den inklusiven (Fach-)Unterricht. So wird mittels strukturierter regionaler und internationaler Kooperationen, einer intensiven Zusammenarbeit innerhalb der Werkstatt sowie einer neu eingerichteten Juniorprofessur für inklusive Bildung Expertise im Umgang mit Inklusion und Heterogenität beim (fachlichen) Lernen am Standort Vechta aufgebaut und in alle Phasen der Lehrer*innenbildung disseminiert.
Im Rahmen verschiedener Projekte werden von der Unterrichtspraxis ausgehend inklusive und heterogene Lernumgebungen erforscht und didaktische Konzepte (weiter-)entwickelt, erprobt und publiziert. In diesem fachübergreifenden Kontext entstehen verschiedene Promotionen, wobei die Promovenden kontinuierlich in der interdisziplinären Forschungswerkstatt vernetzt arbeiten.
Im Rahmen der Werkstatt Inklusion wurde eine große Fachtagung 2017 sowie zwei kleinere Fachtage 2018 veranstaltet. Zudem fanden regelmäßig interdisziplinäre Workshops projektintern statt. Aus dem Projekt ist 2018 eine gemeinsame Veröffentlichung entstanden. Der Tagungsband befindet sich bereits im Lektorat. Aus dem Projekt heraus sind zahlreiche Vorträge, Workshops sowie Kooperationen mit den Universitäten, Köln, Dortmund und Kaiserslautern entstanden.
Gemeinsam statt einsam - Ein Videoprojekt
Projektname: Gemeinsam statt einsam – Ein Videoprojekt. Förderer: Robert-Bosch-Stiftung, Antragsteller: Prof. Dr. Britta Baumert, Förderzeitraum: 01.04.2019-31.03.2020.
Ziel war die gemeinsame Erstellung eines YouTube Videos zum Thema Partizipation und Inklusion durch Studierende, Inhaftierte, Geflüchtete und Menschen mit Behinderung. Unterstützt wurden die Studierenden dabei im Begleitseminar, wo sie theoretisches Wissen zum Thema Teilhabe und Inklusion, sowie praktische Fähigkeiten zur Erstellung und Bearbeitung von Videos erlernten. Im Rahmen eines gemeinsamen Abschlussgottesdienstes wurde das Video dann auch der Öffentlichkeit präsentiert. Die Konzeption des Projekts erfolgte in Zusammenarbeit mit der Gestaltpädagogin Ursula Sindermann und der Gefängnisseelsorgerin Josefine May.
Interkulturelle Kompetenz und Wertebildung
Im Zuge der Flüchtlingsdebatte ist auch immer wieder von der Besinnung auf christliche Werte und die deutsche Kultur die Rede. Lehrerinnen und Lehrer stöhnen über Probleme mit Flüchtlingskindern aufgrund des unterschiedlichen Wertesystems. Doch unterscheiden sich die Werte der deutschen Kinder tatsächlich so sehr von denen der Kinder mit nicht-deutscher Herkunft? Haben Kinder und Jugendliche überhaupt einen Wertebegriff wie wir?
In 2020 konnte ich meine empirische Vergleichsstudie zu Wertvorstellungen von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund abschließen. Der erste Artikel ist bereits erschienen, der zweite Fachartikel erscheint in 2021. Im Rahmen einer Vorstudie fand eine Fragebogenerhebung zu Werten von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund an Schulen in Niedersachen und NRW statt. Die Auswertung der Vorstudie zeigt, dass die Wertvorstellungen von Schüler*innen mit und ohne Migrationshintergrund sehr ähnlich sind, wenn man von den dort genannten Begrifflichkeiten ausgeht. In der folgenden, qualitativ angelegten Interviewstudie wurde der Frage nachgegangen, ob Schülerinnen und Schüler mit und ohne Migrationshintergrund die genannten Werte inhaltlich unterschiedlich deuten. Zentrales Ergebnis der Studie ist, dass es keine signifikanten Unterschiede zwischen der Werte-Hermeneutik zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund gibt. Lediglich der Bereich der religiösen Praxis unterscheidet sich deutlich voneinander, wobei die Wertschätzung von religiösen Fest- und Feiertagen als Gemeinschaftserlebnisse und Familienfeiern wieder identisch ist.
Die Publikation der Ergebnisse erfolgt im Sammelband der Osnabrücker Forschungsstelle für Wertebildung: "Was hält die Migrationsgesellschaft zusammen? Werte - Normen -. Rechtsansprüche" Osnabrück 2021.