Ein epochales Werk in monumentaler Besetzung hatten sich Chor und Orchester des Collegium Musicum der Goethe-Universität vorgenommen – und dazu Hilfe geholt: Zusammen mit eigens eingeladenen sangesfreudigen Alumni sowie mit der Frankfurter Singakademie, dem Konzertchor Köln und dem Chor „Pro Musica“ der Universität Vilnius standen rund 300 Sänger*innen auf der Bühne der Alten Oper, um Giuseppe Verdis „Messa da Requiem“ darzubieten. Samt Orchester und Gesangssolist*innen also mehr als 400 Mitwirkende.
„Kooperationen sind mir immer ein Anliegen“, sagt Universitätsmusikdirektor Jan Schumacher. „Durch die Zusammenarbeit mit der Frankfurter Singakademie und zahlreichen Alumni der Uni verknüpfen wir die Ensembles der Goethe-Universität innerhalb der Stadt Frankfurt und im Rhein-Main Gebiet. Durch die Mitwirkung des Konzertchor Kölns (mit späterer Wiederaufführung des Konzerts in der Kölner Philharmonie) und des Chores Pro Musica aus Litauen erweitern wir die Kooperation auf nationaler und europäischer Ebene – ein Gewinn für alle Beteiligten.“
Verdis 1874 fertiggestelltes Requiem entstand kurz nach seiner Oper Aida und lange vor den Spätwerken Otello und Falstaff. Mehr als 20 Opern hatte der Komponist da schon verfasst, gut daran verdient und die Gagen klug investiert. Seine „Galeerenjahre“, wie er die Zeit des manischen Komponierens für das Musiktheater nannte, lagen hinter ihm. Eine Totenmesse wollte der nicht besonders religiöse Verdi eigentlich nie schreiben, bis der von ihm verehrte Schriftsteller Alessandro Manzoni 1873 starb und eine Auseinandersetzung des Komponisten mit dem Tod auslöste.
Uwe Dettmar
Das daraus entstandene Requiem hat George Bernard Shaw als „Verdis größte Oper“ bezeichnet. Dass es angesichts der großen Besetzung in der Alten Oper wuchtige Klangpracht entfalten konnte, ist kein Wunder. Den Fanfaren des Jüngsten Gerichts und den fast brutalen Chor-und-Orchester-Tutti im „Dies Irae“ („Tag des Zorns“) standen aber auch leiseste Passagen gegenüber, ein Flüsterchor zu Beginn, inbrünstige Passagen der Gesangssolist*innen und immer wieder feine Verschiebungen im Orchester, die unterschiedliche Instrumentengruppen zur Geltung brachten.
„Die kompositorische Ausdrucksspanne des Werkes reicht von leisestem Pianissimo bis zu kraftvollen Höhepunkten im Fortissimo. Die Aufführung durch ein groß besetztes Ensemble ist also nicht nur möglich, sondern geradezu ideal, wenn man es schafft, die leisen Stellen immer noch leise zu singen“, erläutert Schumacher. „Obwohl wir nur kurz gemeinsam proben konnten, bin ich mit der Leistung der Chöre und des Orchesters – allesamt Amateure! – sehr glücklich. Alle Stimmen und Instrumente haben sich zu einem gemeinsamen Klang verschmolzen.“ So sah das auch das Publikum in der Alten Oper, das sich nach rund 90 kurzweiligen Minuten mit anhaltenden Standing Ovations bedankte.
Volker Schmidt