Manche Abende bieten mehr als ein Essen. In Frankfurt wurden wenige Tische zum Ausgangspunkt von Gesprächen, die von Tokio bis Kolkata, von Nigeria bis Südafrika, von Philosophie bis Immunologie reichten. Die Social Dinner der Stiftung zur Förderung der internationalen wissenschaftlichen Beziehungen der Goethe-Universität vermitteln einen ersten Vorgeschmack auf globale Wissenschaft in ihrer lebendigsten Form: persönlich, neugierig und vom Austausch geprägt.
Die „Social Dinner“ der Stiftung bilden seit vielen Jahren einen wichtigen Teil der Aktivitäten. Mit dem Ziel, einander zuerst kennenzulernen um anschließend miteinander Kurzpräsentationen von Forschungsvorhaben zu lauschen und diese im Gespräch zu vertiefen, finden sich hier regelmäßig internationale Forschende der Goethe-Universität in unterschiedlichen Konstellationen zusammen. Zuletzt am 19. März 2026, mit einer Keynote von Prof. Dr. Tatjana Nikitina aus Russland, Humboldt Fellow sowie Vorsitzende des Vereins „Wissenschaft ohne Grenzen“ über die nachhaltige Entwicklung der internationalen wissenschaftlichen Zusammenarbeit in disruptiven Zeiten.
Gastgeber Prof. Dr. Jürgen Bereiter-Hahn, Vorsitzender der Stiftung zur Förderung der internationalen wissenschaftlichen Beziehungen der Goethe-Universität, führte durch den Abend. Für den emeritierten Professor der Biologie sind die Zusammenkünfte ein Herzensanliegen. Auf seine individuelle Begrüßung der Gäste, die ebenso herzlich von Kerstin Adamle, Leiterin der Goethe-Gästehäuser, willkommen geheißen wurden, folgten erste Vernetzungen unter den Teilnehmenden. Wie sich herausstellt, kennen sich einige bereits.
So wie Meg Kitamura, gebürtig aus Japan, und Brett Aho aus den USA, die gemeinsam eintreffen. Beide sind erst vor wenigen Wochen in Frankfurt angekommen, um ihre Forschung am C3S, dem Center for Critical Computational Studies, voranzutreiben. Die wissenschaftliche Einrichtung wurde 2023 an der Goethe-Universität als innovatives Forschungszentrum an der Schnittstelle von Informatik, Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften gegründet. Der innovative Ansatz des Zentrums, systematisch computational methods (daten- und algorithmusbasierte Verfahren) mit kritischer Reflexion ihrer gesellschaftlichen, kulturellen und normativen Implikationen zu verbinden, spiegelt sich in den Forschungsvorhaben der gebürtigen Japanerin und ihres amerikanischen Kollegen.
So liegt der Forschungsschwerpunkt von PhD-Kandidatin Meg Kitamura auf Überwachungssystemen und staatlicher Souveränität. Zufällig finden sich bei ihr am Tisch gleich drei Wissenschaftler indischer Abstammung. Ein durchaus erwähnenswerter Zufall, sind sie doch bestens vertraut mit Aadhaar, dem weltweit größten biometrischen Identifikationssystem. Von der japanischen NEC Corporation entwickelt, wurde es von 2009 an landesweit in Indien ausgerollt. Aadhaar enthält die biometrischen Daten von insgesamt 1,3 Milliarden Menschen weltweit, u.a. in Form von Fingerabdrücken, Iris-Scans, und Gesichtsbildern. Die 27-jährige Forscherin mit Hintergrund in Medien- und Kulturwissenschaften und vorherigen Studien an der New York University sowie der Universität Amsterdam beschäftigt sich in ihrer Dissertation mit den (Dis-)Kontinuitäten imperialer Logiken in der Art und Weise, wie japanische Technologieunternehmen sich in biometrische Infrastrukturen in Ländern wie Indien einbetten und dabei bestehende Machtverhältnisse reproduzieren und neu konfigurieren. Neben Aadhaar versorgt die börsennotierte, in privater Hand gehaltene NEC Corporation auch andere Staaten und Behörden mit Plattformen für Videoüberwachung und Gesichtserkennung, und zählt zudem zu den führenden Rüstungsunternehmen Japans, mit engen Verbindungen in Regierungskreise. Mit ihrem bereits hochgradig interdisziplinären Hintergrund fühlt sich Meg Kitamura am C3S gut aufgehoben und ist gespannt, was ihre Forschung der nächsten Jahre zeigen wird. Besonders reizvoll empfindet sie dabei den Ansatz des Zentrums: „In unserer Arbeit fragen wir nicht nur danach, was rund um die Entwicklung und Anwendung von Überwachungstechnologien geschieht, sondern entwerfen zugleich alternative Vorstellungen davon, wie eine Welt aussehen könnte, die nicht auf Verdachtslogiken basiert, sondern in der öffentliche Werte bewusst ausgehandelt und in den Einsatz von Technologie integriert werden.“
Ähnlich wie sie ist auch ihr direkter Kollege Dr. Brett Aho erst seit wenigen Wochen am C3S in Frankfurt. Und auch wenn seine vorherige Station die University of California Santa Barbara war – wo er im Jahr 2025 promovierte – ist Deutschland ihm nicht fremd. Seinen Master absolvierte er an der Universität Leipzig. Heute widmet sich der 38-Jährige als Postdoc Datenökologien und Daten-Governance-Architekturen. „Gesellschaften treffen heute grundlegende Entscheidungen darüber, wie Datentechnologien genutzt, gestaltet oder reguliert werden sollen. Mich interessiert, wie sich darin Machtverhältnisse spiegeln – und welche sozialen sowie wirtschaftlichen Folgen unterschiedliche Wege des Umgangs mit Daten für unsere Gesellschaften haben.“ Dr. Brett Aho spricht von soziotechnischen Systemen, deren Ausgestaltung von individuellen Kräften geprägt wird. Das C3S, ist sich der Politökonom sicher, ist genau der richtige Ort, um diese neuen Ideen und Ansätze zu testen, und unser Wissen über die weltweit im Entstehen begriffenen Datenökologien und -architekturen zu vertiefen.
Ebenso vor Ort ist Dr. Yudhajeet Basak. Der 29-jährige Strukturbiologe aus Indien forscht bereits seit März 2025 als Postdoc im Team von Prof. Dr. Robert Tampé. Seinen PhD erhielt er letztes Jahr von der Humboldt-Universität zu Berlin. Dem vorhergegangen waren ein Bachelor- und ein Masterstudium an der University of Calcutta. „Mich haben die exzellente Forschungsinfrastruktur und die außergewöhnliche Wissensvielfalt nach Frankfurt geführt. Wissenschaft lebt für mich davon, neue Wege zu gehen, fachliche Grenzen zu überschreiten und offen zu bleiben für das, wohin die Forschung führt.“ Im Zentrum seiner Arbeit steht der Peptide Loading Complex, ein Schlüsselsystem des adaptiven Immunsystems, das darüber entscheidet, wie infizierte oder entartete Zellen von T-Zellen erkannt werden. „Als Strukturbiologe untersuche ich die molekularen Mechanismen dieses Prozesses, auch im Hinblick darauf, wie Viren ihn umgehen – und wie sich daraus neue Ansätze für Wirkstoffe und therapeutische Interventionen entwickeln lassen.“
Durch Zufall sitzt ihm Dr. Abhrojyoti Sen gegenüber. Beim gemeinsamen Essen stellen die beiden Forscher fest, dass sie beide aus der Bengal Region Indiens stammen. Wie klein die Welt in diesem Moment scheint, schließlich hätten sich die zwei Wissenschaftler – die zu komplett unterschiedlichen Themen forschen – in ihrem Heimatland wahrscheinlich nie getroffen. Dr. Abhrojyoti Sen forscht bereits seit August 2024 als Humboldt-Fellow an der Goethe-Universität. Der 34-jährige Mathematiker baut auf seinem vorherigen Postdoc an der TIFR Centre for Applicable Mathematics in Bangalore, Teil des Tata Institute of Fundamental Research und eins der führenden Forschungsinstitute für Mathematik auf dem Subkontinent, auf. Zuvor hatte er seinen PhD an dem renommierten National Institute of Science Education and Research in Bhubaneswar erhalten. „Im weitesten Sinne beschäftige ich mich mit partiellen Differentialgleichungen,“ stellt er seine Forschung vor. Dieses Interesse führte ihn zu Tobias Weth, in dessen Arbeitsgruppe er zur Regularitätstheorie nichtgleichmäßig parabolischer Probleme sowie zu nichtlokalen Gleichungen mit Kernen nullter Ordnung forscht.
Dr. Abhrojyoti Sen und Dr. Omowunmi Fred-Ahmadu verfolgen ihre Forschung als Humboldt-Fellows. Während sein Schwerpunkt auf der Regularitätstheorie nichtgleichmäßig parabolischer Probleme sowie nichtlokalen Gleichungen mit Kernen liegt, untersucht sie Bodenproben aus Nigeria auf Reifenabrieb und andere petrochemische Spurenelemente.
Leonie Schultens
Schon länger an der Goethe-Universität und in Deutschland ist Dr. Omowunmi Fred-Ahmadu aus Nigeria. Die Humboldt-Stipendiatin kam im April 2025 mit mehreren Bodenproben aus ihrem Heimatland an die Goethe-Universität; diese untersucht sie seither im Labor von Prof. Dr. Henner Hollert auf Reifenabrieb und andere petrochemische Schadstoffverbindungen. „Meine aktuelle Forschung untersucht Reifen- und Straßenabriebpartikel sowie weitere Schadstoffgemische in Straßenrandböden Nigerias – von ihrer Erfassung und chemischen Charakterisierung bis hin zu ihren toxikologischen Auswirkungen auf frühe Entwicklungsstadien des Zebrafischs.“ Dabei gehe es ihr insbesondere um die Frage, in welchen Konzentrationen diese Belastungen auftreten, wie sie zusammenwirken und über welche biologischen Mechanismen sie ihre schädliche Wirkung entfalten, erklärt sie. Als Senior Researcher blickt die Umweltchemikerin auf mehrjährige Forschungserfahrungen in ihrem Heimatland – an der University of Lagos sowie der Covenant University – sowie an der australischen University of Newcastle zurück. Mehr als 10 Jahre in der Lehre – zuerst an der Covenant University und seit 2023 an der renommierten Afe Babalola Universität – runden ihr Profil ab. Der Umweltforschung möchte die 50-jährige wenn ihr Humboldt-Stipendium im März nächsten Jahres endet, treu bleiben – entweder im universitären Umfeld oder in der Industrie.
Für den emeritierten Prof. Dr. Anand Srivastav ist es das erste Social Dinner. Der Mathematik- und Informatikexperte stammt gebürtig aus Indien, sein perfektes Deutsch verrät schnell, dass er bereits seit Jahren in Deutschland lebt. „Genau genommen sind es jetzt mehr als 60 Jahre,“ sagt er. Neben Frankfurt hat er auch an den Universitäten in Bonn, Berlin und Kiel gelehrt und geforscht. Auslandsaufenthalte, u. a. an der New York University (NYU) sowie Yale University, USA, runden sein Profil ab. An der Goethe-Universität unterstützt Prof. Anand Srivastav, der über die letzten 15 Jahre zusammen mit Prof. Dr. Ulrich Meyer, Professor für Informatik an der Goethe-Universität, eine wichtige Rolle in einschlägigen Deutsch-Indischen Kooperationsprojekten gespielt hat, als Gastprofessor am Institut für Informatik die Grundlehre im Bachelorstudiengang Informatik. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Teilgebiet Algorithmen und Komplexität. An der Goethe-Universität schätzt er das hohe wissenschaftliche Niveau der Informatik, die Kooperation der Rhein-Main Universtäten in Frankfurt, Darmstadt und Mainz im Bereich der Diskreten Algorithmen, und besonders die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem Center for Critical Computational Studies (C3S).
Prof. Dr. Anand Srivastav (links) unterstützt als Gastprofessor am Institut für Informatik die Grundlehre im Bachelorstudiengang Informatik, während Prof. Kento Miyata seine Forschung zu gewaltfreier Kommunikation am Research Center Normative Orders fortführt.
Leonie Schultens
Rechtsphilosoph Prof. Kento Miyata nimmt das zweite Mal an einem der Social Dinner teil. Der Associate Professor der Otaru University of Commerce ist seit Oktober 2025 in Frankfurt, um seine Recherche zu gewaltfreier Kommunikation am Research Center Normative Orders fortzuführen. Der Forscher aus Japan arbeitet zu den normativen Grundlagen von Diskursen und knüpft dabei an die Tradition der Kritischen Theorie sowie insbesondere an das Werk des kürzlich verstorbenen Jürgen Habermas an. Im Fokus steht eine ebenso grundlegende wie unbequeme Frage: Wie lässt sich Kritik an jenen formulieren, die sich dem Anspruch eines vernunftbasierten, gemeinsamen Diskurses entziehen? Prof. Kento Miyata entwickelt hierfür Ansätze, die die normativen Grundlagen von Verständigung ernst nehmen, ohne die realen Grenzen diskursiver Einbindung auszublenden. „Dabei geht es insbesondere darum zu zeigen, dass eine solche Kritik nicht dogmatisch sein darf, sondern an Voraussetzungen anknüpfen muss, die auch von den Verweigernden bereits implizit anerkannt werden.“ Der 34-jährige Professor für Philosophie und Ethik nutzt lange Spaziergänge entlang des Mainufers, um seine Gedanken zu diesem Thema und seiner zweiten zentralen Forschungsfrage zu ordnen: wie lässt sich das universalistische Anliegen der Diskurstheorie – die Anerkennung jedes Menschen als freies und gleiches Subjekt mit unveräußerlicher Würde – mit historisch, kulturell und rechtstraditionell unterschiedlichen Vorstellungen von Recht vermitteln? In Japan hat er sich bereits mit einem anderen Goethe-Alumnus und Experte für kritische Theorie, Prof. Shinya Miyamoto, Sozialphilosoph an der Meiji University, hierzu ausgetauscht (lesen Sie mehr über Prof. Shinya Miyamotos drei Aufenthalte an der Goethe-Universität hier).
Für PhD-Studentin Bontle Mataboge aus Südafrika ist es das erste Social Dinner. Die Paläontologin kam im November 2025 für einen sechsmonatigen Forschungsaufenthalt in Frankfurt an, wo sie im Rahmen eines Senckenberg Global Fellowships zu ihrem Spezialgebiet – Fossilien aus dem Ediacarium und Kambrium – forscht. „Mich fasziniert, wie die ersten Tiere und Ökosysteme auf der Erde entstanden sind. Deshalb erforsche ich Fossilien aus sauerstoffarmen Lebensräumen und untersuche, welche Rolle Sauerstoff für die Entwicklung komplexen Lebens gespielt hat.“ Das Thema ist international relevant, und so überrascht es wenig, dass die 28 Jahre junge Frau aus Johannesburg auch in den letzten Jahren sowohl international als auch interdisziplinär unterwegs war. Über das Senckenberg-Fellowship hatte sie ihr Sponsor, Prof. Dr. Simon Darroch, informiert; bereits bei ihrem ersten Treffen auf einer Konferenz in London hatte sie viele gemeinsame Forschungsinteressen mit dem Sektionsleiter Paläozoologie II am Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt identifiziert. „Die Zusammenarbeit in einem neuen Umfeld war für mich eine große Chance, meine Forschung weiterzuentwickeln und neue Perspektiven zu erweitern.“ Wenn ihr Fellowship Ende April 2026 endet, wird sie nach Kapstadt zurückkehren und ihren PhD beenden. Danach würde sie gerne weiter forschen, allerdings außerhalb der Paläontologie. „Besonders interessiert mich ein Wechsel in den Naturschutz, wo ich mein wissenschaftliches Instrumentarium einsetzen kann, um konkrete gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen anzugehen.“ Das Senckenberg Museum wird sie vermissen, ebenso wie die kulinarische Vielfalt, die Frankfurts Gastroszene zu bieten hat.
PhD Kandidatin Bontle Mataboge (links) forscht als Senckenberg Global Fellow zu ihrem Spezialgebiet – Fossilien aus dem Ediacarium und Kambrium, während sich Humbold Fellow Prof. Dr. Tatjana Nikitina in ihrem Vortrag mit der nachhaltigen Entwicklung der internationalen wissenschaftlichen Zusammenarbeit in disruptiven Zeiten beschäftigte.
Leonie Schultens
Humboldt Fellow Prof. Dr. Tatjana Nikitina aus Russland nahm die Anwesenden in ihrem Keynote-Vortrag zur nachhaltigen Entwicklung der internationalen wissenschaftlichen Zusammenarbeit in disruptiven Zeiten auf eine Reise zurück in die „guten alten Zeiten“ der freien wissenschaftlichen Kooperation. In anschaulichen Rückblicken zeigte die Professorin die engen Beziehungen zwischen der Saint Petersburg State University of Economics und deutschen Forschungseinrichtungen auf, mit Schwerpunkt auf den letzten 20 Jahren, und hob dabei ihre langjährige Zusammenarbeit mit Prof. Raimond Maurer, Inhaber der Professur für BWL, mit Schwerpunkt auf Investment, Portfolio Management und Alterssicherung, hervor. Als Humboldt-Alumna sei es ihr immer ein besonderes Anliegen gewesen, Humboldtskollegsprogramme in Russland zu organisieren – auch da sie selber von den Netzwerken dieser Veranstaltungen in Ländern wie Deutschland und China immens profitiert habe. „Das war die goldene Zeit des wissenschaftlichen Austauschs,“ begann sie die Überleitung zu dem zweiten Themenschwerpunkt ihres Vortrags – der neuen Realität. Angefangen habe es mit der Covid-Pandemie, „aber wir haben neue Formen der Zusammenarbeit gefunden, um unsere wissenschaftlichen Kooperationen fortzusetzen,“ fuhr sie fort, und verwies auf die Nutzung von Plattformen wie Zoom für Seminare. Auch dank dieser interdisziplinären digitalen Arbeit publizierte Prof. Dr. Tatjana Nikitina im September 2022 eine Monographie gemeinsam mit Clemens Renker, Professor im Ruhestand an der Hochschule Zittau/Görlitz, mit Beiträgen von mehr als 40 Wissenschaftler*innen aus Deutschland, Russland, Polen und der Schweiz zum Thema „Pandemie als nicht alltägliches Event-Risk: Auf der Suche nach Resilienz für Staaten, Unternehmen, Banken und Vermögen“. Diese Art der gemeinsamen Zusammenarbeit ist seit dem Ausbruch des Ukrainekriegs nicht mehr möglich. „Alle Kontakte zwischen russischen und deutschen – im weiteren Sinne westlichen – Universitäten wurden entweder eingefroren oder gestoppt, was unsere langjährige Zusammenarbeit von über 30 Jahren auf eine harte Probe stellte.“
Dank ihres Humboldt-Stipendiums lebt Prof. Dr. Tatjana Nikitina seit 2022 in Frankfurt und Darmstadt und kann ihr Netzwerk von hier aus relativ gut pflegen. Allerdings beschäftigt sie sich zunehmend mit der Frage, wie Wissenschaftler*innen in diesen schwierigen Zeiten verbunden bleiben können. Aus diesen Überlegungen heraus entstand Ende Oktober 2022 auf einem internationalen Treffen an der Hochschule in Zittau/Görlitz die Idee hinter Science without Borders (SWOB), einer Plattform-Initiative, auf der „Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Ländern praxisrelevante wissenschaftliche Erkenntnisse als Antworten auf die Herausforderungen in einer disruptiven Welt präsentieren und diskutieren“ können. Das Ziel dieser „Plattform für Zusammenarbeit und Zusammenhalt“, so die Wirtschaftswissenschaftlerin, sei die Integration wissenschaftlicher Arbeit, insbesondere durch die Bündelung wissenschaftlichen Potenzials aus Deutschland, der Schweiz, Polen, Tschechien, China, Australien, Österreich und weiteren zentralasiatischen Ländern, wie Kirgisistan, Tadschikistan, Kasachstan, Usbekistan, und Aserbaidschan. Neben Forschenden richteten sich die Aktivitäten dabei auch an Studierende – ein entsprechendes Format seien gemeinsame Projekte für Seminar- und Forschungsarbeiten – was wiederum interkulturelle Kompetenzen stärke und zur Völkerverständigung beitrüge. Seit ihrer Entstehung hat die Plattform bereits mehrere Vorträge zu diversen Themen gehostet – von Smart Cities zu Künstlicher Intelligenz, Kryptowährungen, Private Equity Investments und Green Hydrogen. Prof. Dr. Tatjana Nikitina beendete ihren Vortrag mit der Vorstellung ihres letzten Jahr gegründeten Vereins „Wissenschaft ohne Grenzen“, der eben diese Aktivitäten institutionell weiter ausbauen und neue Zielgruppen erreichen soll.
Drei Stunden, zwei Gänge und einen Impulsvortrag später erklärte Prof. Jürgen Bereiter-Hahn den Austausch für beendet. Genährt in mehr als einer Hinsicht löste sich die Runde langsam auf – nachdem Kontaktdaten getauscht, Gedanken angestoßen und neue Gespräche eröffnet worden waren.








